Exkursion der BG Aachen am 24.06.2025

157 m lang und bis zu 20 m hoch – die Sprengung der Haarbachtalbrücke an der A 544 im Januar 2024 war ein regionales Großereignis, das von vielen in Live-Berichterstattungen verfolgt wurde. Unsere Bezirksgruppe hatte jetzt die Gelegenheit, die Baustelle des Ersatzneubaus, der ca. 50 Mio. Euro kostet, zu besichtigen.
Tom Mönig, der Bauleiter Brückenbau der Firma Amand, gab uns erst einen Überblick über die bisherigen Arbeiten und das Gesamtprojekt. Danach hatten wir Gelegenheit, über die neue Brücke zu gehen und das Bauwerk aus der Nähe zu sehen.
Im Oktober 2023 begannen die vorbereitenden Arbeiten zur Maßnahme. Ende Januar 2024 wurden die filigranen Pfeiler der alten Brücke gesprengt, was den Oberbau zum Einsturz brachte, und die Widerlager im Anschluss konventionell abgebrochen.
Dann wurden zunächst die Fundamente für die neuen Brückenwiderlager und -pfeiler hergestellt. Diese wurden als Flachgründungen auf dem anstehenden Felsuntergrund ausgebildet. Dazu wurden 25 m tiefe Baugruben hergestellt. Bei den Widerlagern wurden für die zwei bis drei Meter hohen Fundamente jeweils etwa 2.000 m³ Beton benötigt.
Die neuen Brückenpfeiler sind massiver ausgebildet als die alten Pfeiler und wurden – wie auch die Widerlager – mit Natursteinen verkleidet. An den Pfeilerachsen wurden für den Einschub des Oberbaus zusätzlich Verschubtürme aufgebaut, die die Horizontalkräfte auffangen sollten, die während des Einschubs der Brückenkonstruktion entstehen würden. Während der Arbeiten an den Unterbauten konnte der Stahlbau für den Oberbau der Brücke parallel auf der gesperrten A 544 vorgefertigt werden. Die 157 m lange Brücke wurde als begehbarer Stahlhohlkasten ausgebildet. Darauf liegen Stahlbetonplatten, die mit Ortbeton vergossen wurden. Die Stahlträger (soweit wie möglich schon im Werk mit einer Korrosionsbeschichtung versehen) wurden nachts mit Schwertransportern angeliefert. Der komplette Überbau für jeweils eine Fahrtrichtung wurde dann vor Ort zusammengebaut und in einem Stück eingeschoben.






Der Einschub erfolgte im Dezember 2024 mit SPMTs (ferngesteuerte Self-Propelled-Modular Transporter, also selbstfahrende Schwertransporter). Dabei dauerte der Einschub pro Fahrtrichtung jeweils zwei Tage. Weil die vorgefertigte Konstruktion vier Meter höher lag als die endgültige Höhe der Brücke, brauchte es noch einmal jeweils zwei Tage, um den Oberbau in 50 cm Schritten auf seine endgültige Höhe abzusenken. (Den Einschub konnten wir uns in einem Zeitraffervideo der Autobahn GmbH anschauen). Im Anschluss konnten dann die Fahrbahnplatten betoniert werden.
Seit Ende April dieses Jahres wird die A544 abschnittsweise grundhaft instandgesetzt, Abdichtungen aufgeklebt, die Kappen geschalt, bewehrt, betoniert und die Geländer hergestellt.
Unter dem Bauwerk wird zudem ein Regenrückhaltebecken gebaut, dass das Niederschlagswasser auffangen, reinigen und über einen Drosselschacht an den Haarbach abgeben wird. Dieses Becken wird auch das Wasser der Brücke „Auf der Hüls“ aufnehmen, die bei dieser Gelegenheit direkt mit erneuert wurde. Dieses Bauwerk ist natürlich wesentlich kleiner. Es wurde an einem verlängerten Wochenende abgebrochen und als reines Betonbauwerk mit einer Tiefgründung und zwölf Fertigteilträgern aus Beton hergestellt, die vor Ort vorproduziert wurden. Darüber wurde dann eine bewehrte Ortbetonplatte betoniert.
Während der Besichtigung der Baustelle gab es dann noch die Gelegenheit für unsere Gruppe, mehr Fragen zu stellen und sich Dinge im Detail zeigen oder erklären zu lassen. Eine einzigartige Gelegenheit, sich dieses große Bauwerk aus der Nähe anzusehen und sich in 20 Metern Höhe den kräftigen Wind um die Nase wehen zu lassen. Auch wenn das an diesem Tag ganz angenehm war, konnte man sich vorstellen, dass es das Arbeiten bei winterlichen Temperaturen und Regenwetter nicht einfacher gemacht hat.
Wir bedanken uns ganz herzlich für die Gelegenheit, so eine eindrucksvolle Baustelle direkt vor unserer Haustür besichtigen zu dürfen und freuen uns natürlich alle darüber, dass die A 544 demnächst wieder freigegeben werden kann.
Wer noch mehr Bilder sehen möchte: aktuelle Informationen kann man auf der Seite der Autobahn GmbH finden. Dort gibt es auch einen Link zu weiteren Bildern und Videos während der Bauzeit.